Hessischer Jungjournalistentag – toll war’s!

Als ich das IHK-Gebäude in Frankfurt verlasse bin ich froh. Ich halte inne, um den Moment festzuhalten. Ich bin froh, so viel mitgenommen zu haben, froh so viele Menschen kennen gelernt zu haben. Alle Referenten haben sich bemüht ein realistisches Bild der Medien zu vermitteln. Ob der Umbruch durch die Digitalisierung oder typische Fehler die man während des Volos vermeiden sollte. Es ist wichtig zu erfahren, dass Geisteswissenschaftler nicht so gute Chancen haben wie Naturwissenschaftler. Ein Freund, der Physik studiert hat, sagt warum: “Als vor ein oder zwei Jahren über die Teilung des Atoms berichtet wurde kamen in den Medien nur Nebensächlichkeiten. Was man in der Wissenschaft eigentlich gesucht hat kam gar nicht vor. Aber das war den Forschern egal. Für die zählt nur die Förderung, die durch die Publicity kommt.“

Die Prenzlauerberg Zeitung macht’s vor

Nikolaus Brender, Fernsehjournalist und Medienmanager, hielt eine motivierende Impulsrede über die Zeitungskrise und unabhängigen Journalismus. „Wo ist der Journalismus angekommen, wenn ein Journalist von gestern den Journalismus von Morgen erklärt?“, fragte er. Ein schmunzeln geht durch das Publikum.

Die Zeitung lebt immer noch, obwohl man ihr den Tod voraussah. Und unabhängig ist Journalismus, wenn er auch unabhängig von Werbung ist. Die Prenzlauerberg Zeitung hat ein alternatives Modell zu Anzeigenwerbung gefunden: Sie haben die Abonnenten zu Mitgliedern gemacht, die einen festen Beitrag zahlen. „Für unabhängigen Journalismus muss man selber etwas gründen“, zitiert Herr Bender eine Chefredakteurin von der Prenzlauerberg Zeitung. Das was die Redaktion dieser Zeitung geschafft hat ist kreativ und kommt von der Leidenschaft für den Journalismus.

eine Herzensangelegenheit

Michael Konken, Bundesvorsitzender der DJV, antwortete auf die Frage des Moderators nach dem Vertrauensverlust der Medien:“Wen meint die Öffentlichkeit? Meint sie die seriösen Medien oder die Vielfalt im Internet? Ich tendiere zu sagen, eher die im Internet.“ Er betonte, dass man zwischen diesen beiden unterscheiden muss.

Daran knüpfe ich an, als es um eine Herzensangelegenheit für mich geht: die Berichterstattung über die Zwangsheirat.

Über die Zwangsehe berichtet die Süddeutsche genauso wie die Bildzeitung. Beide Zeitungen, lancieren die Zwangsehe als eine gängige Praxis in Migrantenfamilien. Das ist denkbar schlecht recherchiert. Wie soll ich zwischen verschiedenen Medien unterscheiden, wenn von der seriösen Zeitung bis zum Boulevardblatt kein Unterschied in der Berichterstattung gemacht wird? Bleibt das Vertrauen in die Medien bestehen, wenn die Leute sehen, dass Menschen mit Migrationshintergrund die Uni besuchen und etwas ganz anderes vorleben?

Die beste Antwort auf diese Frage kommt von Herrn Brender:“Kampagnen-Journalismus ist kein Journalismus, sondern die Individualität der Redaktion muss sich durchsetzen.“

INFO

Die Zwangsehe ist eine Randerscheinung unter Migranten. Man kann dieses Phänomen bei Familien beobachten, die an Geldnot leiden und ein verzerrtes Menschenbild haben.

Auch in der Türkei verkauft sich die Zwangsehe gut. Dreh- und Angelpunkt von zahlreichen Serien ist diese unmenschliche Form der Ehe, da sie viel Stoff bietet: Von dramatischen und tränenreichen Szenen bis zu Akten der körperlichen und sexuellen Gewalt ist eine große szenische Bandbreite abgedeckt. So lange sich die Zwangsehe in den Medien gut verkauft, wird sie immer wieder vorkommen.

Doch nicht alles was man sieht und liest ist wahr. Zu „feinen Art“ gehört es, den Bräutigam zappeln zu lassen. In den früheren Generationen haben junge Männer mehrmals um die Hand der Angebeteten angehalten, bis sie endlich heiraten durften. Natürlich einvernehmlich.

Lügenpresse? Wo?

Plakative Slogans und Panickmache helfen am wenigsten, zumal es so etwas wie eine Lügenpresse in Deutschland nicht gibt. Da lohnt sich ein Blick über den Tellerrand: In anderen Ländern nennen sich Leute Journalist, die den Machthabern devot nach dem Mund sprechen. Denn kritische Journalisten, die nachfragen werden bedroht, eingesperrt oder Opfer von angeblichen Unfällen.

Fehler entstehen hierzulande vielleicht durch den Zeitdruck. Manchmal ist etwas nicht gut recherchiert oder die Redaktion ist nicht so vielfältig, wie die Gesellschaft. Oder man übernimmt eine Neuigkeit ohne sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Wenn Fehler nicht gefunden werden bleiben sie lange Zeit bestehen. Das enttäuscht die Leser, kann dem Vertrauensverhältnis schaden oder es spielt der Konkurrenz in die Hand.

„Integrität und Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut, dass wir Journalisten haben. Das dürfen wir nicht auf’s Spiel setzen“, so Elisabeth Wasserbauer, Geschäftsführerin des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Salzburg.

Weitere Links

http://www.djv-hessen.de/startseite/kasten-info/

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