Ein-Partei-Demokratie des Journalismus beendet

Blogs sind nicht beliebt unter den meisten Journalisten. Mit ihren kostenfreien Artikeln machen sie den Markt kaputt. Sie maßen sich an journalistische Inhalte zu produzieren. Sie nehmen einem die Leser weg. Viele stellen Verschwörungstheorien und Schmink-Tipps in den Mittelpunkt, wenn sie von Bloggern sprechen. Blogs sind quasi Importware aus den USA. Es ist endlich an der Zeit eine reflektierte Debatte über die deutsche Blogosphäre anzustoßen.

Es ist ironisch, dass diese Debatte ausgerechnet mit einem Shitstorm gegen das #ZDFbloggerbashing begonnen hat. Blogs sind ein effektives Medium, wenn es darum geht zu kritisieren und zu korrigieren. Das Paradebeispiel hierfür ist glaube ich Dave Carroll.

INFO

Dave Carroll sah, dass Mitarbeiter der United Airlines seine Gitarre durch die Luft geschleudert haben. Doch das Unternehmen wollte den Schaden nicht ersetzen. Dave Carroll hat sein Kritik-Lied “United Breaks Guitars” auf Youtube und auf seinem Blog veröffentlicht. Dieses wurde bald zum Selbstläufer und es kam das Buch dazu heraus.

Bloggerbashing soll Blogosphäre abschaffen 

Der große Shitstorm im Netz zeigt, dass Blogger ernst genommen werden möchten. Sie sind eben nicht auf Schleichwerbung und Verschwörungstheorien zu reduzieren. Bloggerbashing entzieht Bloggern jede Grundlage ihre Sichtweise mitzuteilen. Blogger werden mundtot gemacht. Das kann dazu führen, dass es bald eine kritische deutsche Blogosphäre nicht mehr gibt.

Die deutsche Blogosphäre ist groß und komplex. Sie befindet sich noch in der Entwicklungsphase und wird weiter wachsen, bis sie zu einem ebenbürtigen Partner oder Konkurrenten des Journalismus wird. Pauschale Aussagen über Blogs sind daher deplatziert.

Blogger sind die Watchdogs der Watchdogs

Vor allem ist die Blogosphäre derzeit eins: Sie ist die Konkurrenz zu den großen Medienhäusern. Mit dem ersten Blog wurde die Ein-Partei-Demokratie des Journalismus beendet. Daher sind die Blogs der Medienhäuser nicht besonders effektiv, aber sie sind nötig. Blogs sind ein Meilenstein auf dem Weg zu Autorschaft und zum Journalismus. In Medienhäusern finden sie besseren Einsatz, wenn sie von Praktikanten-Hand geführt werden. 

Professionelle Blogger sind die Watchdogs der Watchdogs. Es gibt so viele unterschiedliche Zeitungen, doch sie berichten sehr ähnlich, weil Nachrichten auch mal ungeprüft übernommen werden. Die Leser verfügen über eine bessere Medienkompetenz als gedacht. Die Trusted Brands Studie hat gezeigt, dass nur noch 26% der Deutschen Journalisten vertrauen. Das ist harter Tobak. Es sind die Blogs die frischen Wind in die Medienlandschaft bringen.

Gleichzeitig erhöhen Blogger den Druck auf Journalisten. Wer inhaltliche Fehler macht wird in einem Blogbeitrag thematisiert. Wer nicht schnell genug über ein Ereignis berichtet muss mit einem Blogartikel rechnen. Vielleicht sind Blogs sogar effektiver als der Deutsche Presserat, wenn es um die Korrektur von Journalisten geht?

auch Blogger müssen sich um Qualität und Sorgfalt bemühen

Umgekehrt kontrollieren auch die Journalisten die Blogger. Schließlich profitiert der Leser bzw. Nutzer aus der wahrheitsgetreuen und vertrauenswürdigen Information, das Ergebnis der gegenseitigen Kontrolle zwischen Bloggern und Journalisten. Blogger erfüllen diese Funktion allerdings nur, wenn sie sich auch dort aufhalten, wo sich Journalisten aufhalten, denn mit Schreibtisch-Blogging kommt man nicht weit.

Wer sich künftig durchsetzen möchte muss auf Qualitätsjournalismus setzen. Das gilt genauso für Blogs. Auch sie werden entlarvt und verlieren ihre Leser für immer, wenn sie eine Farce veröffentlichen. Deswegen ist es für Blogs umso wichtiger auf Qualität und Sorgfalt zu setzen.

Peinliche Blogger-Phänomene wurden bisher stark in den Mittelpunkt gestellt, doch es gibt viel mehr. Wenn jemand alle Journalisten-Blogger und Blogs wie denkerinnen.de ignoriert, dann hat er entweder beide Augen verschlossen bei der Recherche oder er berichtet aus Willkür. Vielleicht durch die Annahme, dass Blogs den Markt kaputt machen. Doch es sind weniger die Blogs, die den Markt kaputt machen, sondern die Instant-Articles bei Facebook. Eine ironische Szenerie ist: Viele Blogger zielen darauf ab eines Tages gegen Entgelt zu bloggen, während Journalisten ihre Artikel auf Facebook verschachern.

Journalisten-Blogger – blogging like a boss

Es ist unklug Blogger zu bashen. Wer Blogger schlecht macht, der hat ganz offensichtlich vergessen, dass Journalisten auch bloggen. Es war ein Medienjournalist der 2007 den Online Grimme Award für seinen Blog bekommen hat, Stefan Niggemeier. Es ist der Blog von Richard Gutjahr der nur so strotzt vor lauter fantastischen Bildern und kreativem Content. Journalisten sind die besseren Blogger, das ist offensichtlich. Weitere interessante Blogartikel findet man in der Zeitschrift des Burdaverlags “I like blogs”. Bald kommt die zweite Ausgabe dieser tollen Zeitschrift heraus.

Denkerinnen.de mischt die Blogosphäre auf

Denkerinnen.de ist ein gemeinschaftlicher Blog, der nach dem Beispiel amerikanischer Blogs gegründet wurde. Ein ähnliches Konzept hat auch der Watch-Salon des Journalistinnenbunds.

Als Mitbegründerin von Denkerinnen kann ich sagen, wir haben den Blog aus Spaß am Schreiben gegründet und es macht unheimlich viel Spaß. Es ist aber auch Arbeit auf uns zugekommen, mit der wir anfangs nicht gerechnet haben.

Die Quellen der Inhalte und der Bilder sind unter den Einträgen der Bloggerinnen angegeben. Wir wollen mehr als nur schreiben. Wir wollen etwas bewirken, an der Gesellschaft teilnehmen, deswegen haben wir letztes Jahr die erste Konferenz organisiert. Achtung Werbung: Nächste Woche findet die zweite Konferenz statt und ihr seit alle herzlich dazu eingeladen! 

Weitere Links

http://www.turi2.de/aktuell/zdf-wettert-gegen-schleichwerbung-bei-bloggern/

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