Stoppt die Zweckentfremdung der Zeitung!

Zeitungen sieht man überall gerne. Man legt sie im Atelier auf die Tische und die Böden, damit es keine Farbkleckse gibt. Man bastelt Laternen und allerlei Schönes aus ihnen. Manche Hausfrau wischt die Fenster mit der Zeitung. Dann gibt es keine Streifen. Mal liegt die Zeitung unter dem Topf, wenn der Untersetzer in weiter Ferne ist. Mal dient sie als Tischtuch zur Mittagspause. Dann braucht man nicht umständlich den Tisch wischen.

Anscheinend stellen die Leute alles mögliche mit Zeitungen an, außer sie zu lesen.

Erschreckende Zahlen

2010 haben ca. 52 Mio. Personen ab 14 Jahren mehrmals in der Woche die Zeitung zur Hand genommen, in ihrer Freizeit wohlgemerkt.

2014 waren es nur noch ca. 47 Mio. von den insgesamt 81 Mio. deutschen Einwohnern. In fünf Jahren nahm die Zahl der Leute, die mehrmals in der Woche Zeitung lesen, um 4,71 Mio. ab. Das sind fast 1 Mio. Leser die pro Jahr verloren gehen. Statt dessen stieg die Zahl der Leute, die immer seltener oder gar keine Zeitung lesen, kontinuierlich an.

Ähnlich drastisch sinkt die Auflagenhöhe. 2003 wurden fast 29 Mio. Zeitungen pro Tag verkauft. 2010 waren es ca. 25 Mio. Exemplare und 2014 nur noch bescheidene 21,7 Mio. täglich.

Die Folgen

Allein 2013 wurde die Frankfurter Rundschau verkauft und die Nürnberger Abendzeitung und die Financial Times Deutschland wurden eingestellt.  Die Financial Times Deutschland soll seit ’89 rote Zahlen geschrieben haben. Davor musste schon die Hürriyet dran glauben. Diese Entwicklungen sind erschreckend und viele möchten daraus ableiten, dass die Zeitung bald ganz vom Kiosk verschwindet. Dabei hat sich die Zeitung längst angepasst und lebt frisch und munter als E-Paper weiter.

Dennoch kann man so viel mit einer gedruckten Zeitungen anstellen. 

1. Zeitungen sind Zeitzeugen

Auf der Suche nach vertrauenswürdigen Quellen verlassen sich Historiker*innen und Wissenschaftler*innen auf Zeitungen. Es lohnt sich allemal sein eigenes Archiv aus Zeitungen oder Zeitungsartikeln zusammen zu stellen. Das ist gar nicht mal so viel Arbeit, wenn man sich je nach Geschmack nur die interessanten Artikel heraus sucht.

2. Zeitungen bieten geordnetes Wissen

Ja, Google liefert mehr Ergebnisse, aber der Informationsfluss ist unübersichtlich. Das ist verwirrend und es entsteht der sogenannte Informationsmüll. Katzenvideos, social Media und Werbung kämpfen alle um Aufmerksamkeit. Nicht alles ist informativ oder wichtig. Die ständige Gleichzeitigkeit ist erschöpfend, auch wenn es Spaß macht. Denn das Gehirn sei nicht auf Multitasking ausgelegt, sagen Neurobiologen.

Informationsmüll erschöpft das Gehirn. Das führt dazu, dass man anfälliger für Fehler ist, sich weniger konzentrieren kann und ungeduldig wird. In der Zeitung sind die Informationen bereits sortiert und in einen allgemeinen Rahmen eingeordnet. Das erspart dem Leser viel Mühe und bietet höchsten Lesegenuss. Zumindest die meisten Kommentare und das Feuilleton und die Glossen und die Zitate des Tages und die Reportagen und die Überschriften und die …

3. Zeitungen haben wenige Seiten

Da kann keiner mit der Ausrede daher kommen, es sei zu viel. Auch keine Lesefaulen, die sonst über Bücher sagen, sie seien zu dick. Im Gegenteil, erstaunlich viele Tageszeitungen sind sehr dünn. Zum Vergleich: Nur 19 Minuten blättern Personen von 14-49 Jahren in der Zeitung und im E-Paper. Dieselbe Gruppe schaut ca. 205 Minuten in den Fernseher bzw. Smart-TV.

4. Bärte malen macht Spaß

…und so ganz nebenbei findet man lustige Karikaturen und interessante Graphiken. Die lassen Politiker und Statistiken gut aussehen und machen den Inhalt verständlich. Schade eigentlich, dass man Memes nicht anmalen kann.

5. Kritik ohne Wissen ist ein No-No

Wer Zeitungen kritisieren mag, sollte viel davon lesen, sonst wird es schnell lustig. Nicht umsonst sagte Julia Weigelt, Fachjournalistin für Sicherheitspolitik, auf dem Hessischen Jungjournalistentag: “Es gibt fantastischen Journalismus. Wir müssen ihn nur zeigen.”

6. Zeitung lesen für bessere Noten

Auch in der Schule zählt Wissen zum aktuellen Tagesgeschehen. Oft bekommen Schüler*innen zu hören, sie sollen Zeitung lesen. Ein Insider sagte mir, dass Lehrer*innen aus der Art der Argumentation in etwa ableiten, welche Zeitung zu Hause gelesen wird. Das ist wichtig bei der Notenvergabe und trainiert die Medien- und die Schreibkompetenz.

Es fehlt etwas? Euch ist eine Idee gekommen? Zögert nicht und hinterlasst einen Kommentar! 

Weitere Links

http://de.statista.com/themen/176/zeitung/ Zugriff am 10. Juni 2015

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/165834/umfrage/taegliche-nutzungsdauer-von-medien-in-deutschland/ Zugriff am 10. Juni 2015

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/171897/umfrage/haeufigkeit-zeitung-lesen-in-der-freizeit/ Zugriff am 10. Juni 2015

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1444541/Informationsmull-frisst-Gehirnressourcen Zugriff am 10. Juni 2015

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2 thoughts on “Stoppt die Zweckentfremdung der Zeitung!

  1. Und wann gibt’s wieder was zu Hihgheels??? 😊😊😊

    1. mervekadayifci June 27, 2015 — 7:21 pm

      Hi Zombiegirl!
      Bald kommt ein neuer Text zu High Heels. Bleib gespannt!

      Viele Grüße

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