Druckfrisch vom Blog

i like Blogs ist das erste deutsche Blog-Magazin und fühlt sich an, wie ein gedruckter Blog zum anfassen, streicheln und durchblättern. Es besteht zu 99%(!) aus Blogbeiträgen. Entsprechend klein ist die Redaktion hinter der Zeitschrift. Liebevoll nennt Editorin Marion Winnen-Martin ihre Mitarbeiter*innen mein “Mini-Team”. Genauso liebevoll, vielleicht auch etwas zu liebevoll, ist das gesamte Magazin gestaltet. Es wartet auf mit leckeren Rezepten, Lebensgeschichten, schönen Reisezielen und Produkttests. Alles schön, lieb und nett.


Erfreulich wäre es, wenn die Zeitschrift etwas aus jeder Sparte bieten würde. Aber sie versteht sich als Blog und Lifestyle Magazin und hat gar nicht den Anspruch die Blogosphäre zu repräsentieren.

Kaum werden Blogbeiträge in einer Zeitschrift gedruckt, spricht man intuitiv von Artikeln. Ist es die Qualität oder das Medium, das einen Text zum Artikel macht?

 i like Blogs hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil es vor allem die erste und einzige Blog-to-Print-Zeitschrift in Deutschland ist. Dabei habe ich so viele Kiosks abgeklappert in der Hoffnung, dass eine Zeitschrift oder Zeitung den Spürsinn beweist und diese Nische entdeckt. Ob ich mir die zweite Ausgabe von i like blogs holen mag steht in den Sternen. Vielleicht kommt ja doch noch eine Alternative auf den Kiosk.

Print ist trendy

Die Schweiz ist, was Blogs angeht, schon viel weiter.

Auf einem kurzen Ausflug in das Land der Schokolade habe ich die Blog-to-Print-Zeitung KULT gefunden und mein Blogger-Herz schlug höher. (Wer dem Twitteraccount der Jugendpresse Hessen folgt hat bestimmt auch ein Bild der KULT gesehen.) In der Blog-To-Print-Zeitung von kult.ch findet man ausgewählte Blogposts. Diese Art der Zeitung ist sehr kommentarlastig. Vielleicht widmen sich Blog-to-Print Zeitungen aktuelleren Themen, je mehr sich das Bloggen zur Profession entwickelt. Schließlich ist Aktualität ein Anspruch, den man an die Zeitung stellt.

Viele Experten meinen, dass das gesamte Spektrum an Nachrichten zum aktuellen Geschehen ins Netz abwandert. Wer sich heute über das Online-Abo informiert, kauft am nächsten Tag die Zeitung, um Hintergrundinformationen zu bekommen, sich in eine Reportage zu vertiefen und Kommentare zu lesen. 

Keine Sorge um Print

Allein das Dasein einer Blog-to-Print Zeitung zeigt: Wir brauchen uns keine Sorgen um Print machen, denn Print ist trendy. Print hat Stil. Gerhardt Steidl, 64, Verleger des Nobelpreisträgers Günterimage Grass und von Karl Lagerfeld drückt es so aus: “Es gibt eine regelrechte Gier nach Papier.” Steidl hat ganz recht, wenn er sagt, dass drucktechnischer Schrott zum Kultobjekt werden kann. Doch wenn digitale Bilder tatsächlich Fastfood wären, hätten sie sich nicht längst durchgesetzt. Genauso wie es Menschen gibt, die sich als analogue man bezeichnen wie Steidl, gibt es auch Menschen, die digitale Displays und glatte Oberflächen lieben. Und dann gibt es da noch Leute wie mich, die jeden Tag verzückt in ihre Retinadisplays schauen und genauso intensiv das matte hochwertige Papier einer Zeitschrift erfahren.

Das Zitat, das Steidl anbringt, “Digital is made to forget, analogue ist made to remember”, ist, bei allem Respekt, so was von vorgestrig. Allein die Tatsache, dass Informationen auf lange Sicht auf externen Festplatten gesichert werden genügt. Zumal Steidl sich selbst widerspricht, da er vorher selbst geschildert hat, dass man Zeitungen spätestens nach zwei oder drei Wochen entsorgen muss, während man dieselben Artikel im Netz nachlesen kann. Das geht meist über Jahre. Man kann jetzt natürlich auch die Augen vor den Tatsachen verschließen, nach Hause gehen und mit der Zeitung kuscheln. Blog-To-Print-Zeitungen eignen sich übrigens auch ganz gut zum kuscheln. Oder man kann den Fortschritt akzeptieren und sich mit der zukunftsweisenden Projektidee eines Wolfram Schütte auseinandersetzen und im Idealfall auch anfreunden. Schütte fokussiert sich zwar nur auf die Internetpräsenzen von Verlagen, aber ich denke, dass unser gemeinschaftlicher Blog denkerinnen in vieler Hinsicht seine Projektidee repräsentiert.

Weitere Links

http://www.sueddeutsche.de/medien/gespraech-ueber-gedrucktes-gier-nach-papier-1.2507978 letzter Zugriff am 27.06.2010

https://www.perlentaucher.de/essay/ueber-die-zukunft-des-lesens.html letzter Zugriff am 27.06.2015

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2 thoughts on “Druckfrisch vom Blog

  1. Liebe Merve,

    wie schön, dass ich deinen Blog entdeckt habe!
    Gern würde ich mal durch die KULT blättern, ich finde, dass die Zeitung sich total interessant anhört.
    So, wie du sie beschreibst, habe ich mir die I love Blogs-Zeitschrift auch vorgestellt. Vielleicht etwas zu lieb. Etwas, worin ich am Kiosk blättern würde, aber nichts, was ich mir regelmäßig kaufen würde. Schön wäre wirklich eine Zeitschrift mit etwas weiterem Themenspektrum – ich stelle mir gerade unwillkürlich die Missy aus Blogbeiträgen vor 😉
    Danke also für den Bericht – beobachten wir mal die Entwicklung!

    Lina

    1. Liebe Lina,
      so freundliche Worte lese ich gerne. Danke! Und toll, dass du den Link zu deinem Blog hinterlassen hast. 🙂
      Auf der Seite von KULT kann man übrigens die Zeitung virtuell durchblättern, falls du einen Eindruck davon gewinnen möchtest. In dieser Umbruchsphase ist alles möglich.
      Liebe Grüße
      Merve

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