10 Kriterien um vertrauenswürdige Artikel zu erkennen

Die Digitalisierung bringt neue Herausforderungen mit sich. Schüler, Studenten und auch viele Berufstätige erkennen nicht welche Nachrichten im Netz wahr und welche falsch sind. Auch Facebook trägt dazu bei. Mit dem Feed, der auf die eigenen Interessen abgestimmt ist, sieht man nur noch das was man sehen will. Dabei ist es so wichtig die Komfort-Zone zu verlassen und auch andere Meinungen zu lesen, zu hören und zu sehen. Viele Seiten werden mit politischen Absichten gegründet, zum Beispiel im Zuge von Kampagnen. Sie haben das Ziel die Menschen zu beeinflussen und das kann auch mal gefährlich werden. Besonders wenn diese Seiten radikale, rassistische, diskriminierende und falsche Inhalte verbreiten. Dabei kann es sich um Accounts, Foren, Blogs und Nachrichtenseiten handeln. Die eigene Unabhängigkeit kann man mit Medienkompetenz gewinnen. Auch mir ist schon mal passiert, dass ich fake news für echte Nachrichten hielt. Das kann ziemlich unangenehm werden. Deswegen habe ich mir eine Methode gegen fake news zurecht gelegt. In diesem Beitrag möchte ich sie teilen. Die 10 Kriterien mögen am Anfang viel zumuten, doch bald läuft es ganz automatisch ab und man bekommt eine Ahnung davon, welche Nachrichten wahr oder falsch sind.

1. Grundeinstellung

Das Internet ist auch nur von Menschen gemacht. Sie sind genauso menschlich wie ihre Leser. Und auch die Artikel können Fehler enthalten, denn: Irren ist menschlich. Eine kritische Grundeinstellung kann helfen die eigene Meinung aus vertrauenswürdigen Stücken zusammenzustellen und sich vor falschen Informationen zu schützen. Und das zeigt: Meinungsbildung braucht Zeit.

2. Bilder

Das Bild zu einem Artikel kann ein fake sein. Dass eine Seite besonders gut bebildert ist, sagt noch nichts über ihre Vertrauenswürdigkeit aus. Es kann sich um eine Detailaufnahme handeln. Jemand kann ein Foto “zusammen gebastelt” haben. Oder es stammt aus einem Archiv. Zahlreiche Plattformen verkaufen Bilder oder stellen sie über die Creative Commons Lizenz zur Verfügung. Die Bilder sagen viel mehr etwas über den Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen und über den Umfang eines Bildarchivs aus, als über den Wahrheitsgehalt eines Artikels.

3. Daten

… und Statistiken sind manipulierbar. 80% hört sich beeindruckend an. Doch um wie viele Personen geht es tatsächlich? 80% von insgesamt 5 oder 100 oder 250 Befragten ist wenig, im Vergleich zu 80% der insgesamt 7,804 befragten Schüler*innen und Student*innen im Rahmen einer Studie an der Stanford Universität. Mehr dazu gibt es in 9. Signalwörter. Erst ab einer Teilnehmerschaft von 2.000 Personen gilt eine Studie als repräsentativ. Bei Daten und Statistiken sollte man immer hinterfragen: Wie viele Personen wurden befragt? Kommen die Befragten/Probanden aus derselben sozialen Schicht? Dann sind die Aussagen nicht allgemein, sondern sagen nur etwas über diese Schicht aus. Wer hat die Daten erhoben? Wurden Parameter ausgelassen? Wie lange war der Zeitraum der Erhebung? Von wann sind die Daten? Aktuelle Daten haben eine stärkere Aussagekraft, als jene von vor 10 Jahren. Um die eigene Meinung zu unterstützen, kann es sein, dass bestimmte Daten nicht erhoben werden oder sie werden verschwiegen. Das hängt von der Erhebungsgruppe und dem Auftraggeber ab.

4. Quellen

Wer ist der Autor? Wem gehört die Seite? Welche/n Namen sieht man im Impressum? Was kommt heraus, wenn man diesen Namen in einer Suchmaschine eingibt? Wie viele Artikel hat dieser Autor zu diesem Thema bereits verfasst? Bezieht sich der Autor überhaupt auf Quellen? Auf welche Quellen bezieht sich der Autor und sind es Quellen, die ihrerseits Vertrauen genießen? Seit wann gibt es die Seite? Auch ein Pseudonym ist eine vertrauenswürdige Quelle, wenn der Artikel inhaltlich richtig ist und einen Mehrwert hat. In manchen Ländern ist die Rede- und Meinungsfreiheit eingeschränkt, da bleibt den Leuten keine andere Wahl, als über Pseudonym zu schreiben. Um herauszufinden ob ein Artikel von einem Autor mit Pseudonym vertrauenswürdig ist, versuche ich die Fakten, Statistiken etc. aus dem Artikel mit anderen Artikeln abzugleichen. Offizielle Stellen und Zeitungen können hierfür hilfreich sein, aber auch sie vertreten eigene Interessen. Dazu mehr unter Punkt 10 Gegencheck.

Viele Seiten und Accounts werden mit politischen Absichten gegründet. Da es im Internet keine Kontrollinstanz gibt, die über die Vertrauenswürdigkeit der Quellen aufklärt, liegt es am User richtige Informationen von falschen Informationen zu trennen. Es heißt von nun an nicht mehr unabhängige Medien, sondern “unabhängige User/Leser”.

5. Artikelende

Jeder Autor führt seine Leser. Wer sich auf den Artikel verlässt, landet genau dort wo ihn der Autor haben möchte. Wer zuerst das Ende eines Artikels liest, weiß genau, wohin der Artikel führt und muss sich nicht zur Meinung des Autors “überreden” lassen.

newspaper-zeitung-merve-akal-pixabay.com-silentpilot.jpg

6. Artikelanfang

Was steht in der Einführung? Stimmt das, was in der Einführung steht überein mit dem was am Ende des Artikels steht? Oder macht der Autor in der Einführung andere Hoffnungen und überrascht den Leser zum Ende? Das ist nicht besonders ehrlich. Es hinterlässt den Eindruck, dass jemand den Überraschungseffekt ausnutzen möchte, um die Leser zu “überreden”.

7. Schreib- und Sprachstil

Gibt es immer wieder Rechtschreibfehler? Grammatikfehler? Ist es ein emotionaler Sprachstil oder ein nüchterner? Emotionale Artikel erzeugen auch bei ihren Lesern Emotionen und, zwar dieselben Emotionen des Autors. Schaut man in die Kommentarspalten auf Facebook, dann sind wir eine Empörungsgesellschaft, weil sich jeder von den Kommentaren der anderen mitreißen lässt.

8. Absätze und Zwischenüberschriften

Die Zwischenüberschriften zeigen den Weg, über den der Autor seine Leser führen möchte. Eine interessante Frage ist auch: Lässt der Autor bestimmte Aspekte eines Themas aus? Stehen die Absätze und Zwischenüberschriften in Verbindung miteinander? Bauen sind logisch aufeinander auf? Und ist der Aufbau und die Struktur eines Artikels nachvollziehbar?

9. Signalwörter

Achtung Werbung! So ist ein Werbetext leider nicht gekennzeichnet. Sprüche wie “Jetzt nur für 20€” und “Nur für kurze Zeit” zeigen, dass es sich um Werbung handelt. Werbung die im journalistischen Stil daher kommt, also native advertising, ist zwar als “Sponsored Post” oder “Sponsored Content” gekennzeichnet, doch diese Kennzeichnung reicht nicht aus. Denn 80% der 12- und 13-jährigen von insgesamt 7.804 befragten Schüler*innen und Studenten*innen konnten einen gesponserten Post nicht als Werbung erkennen. Das stellt diese Studie an der Stanford Universität heraus. Auch “Anzeige” ist ein wichtiges Signalwort und kennzeichnet in Zeitungen abgedruckte Texte aus PR-Agenturen oder Pressestellen von Unternehmen. Doch auch “Anzeige” ist eine ungenügende Kennzeichnung von Werbung. Denn Pressetexte sind, genauso wie native advertising, in ihrem Stil und ihrer Aufmachung den Berichten einer Tageszeitung erstaunlich ähnlich.

10. Gegencheck

Ob es sich bei einer Nachricht um ein fake oder um eine tatsächliche Nachricht handelt, lässt sich mit einer Gegenkontrolle herausfinden. Und das geht mit Hilfe von vertrauenswürdigen Blogs und Nachrichtenseiten. Blogs sind Mikromedien, die sich meist auf eine Nische oder wenige Themen spezialisiert haben. Orientierung bietet die Seite Deutscheblogcharts. Über die Säuberungswelle in der Türkei informiert Turkeypurge.com. Aus Angst vor Repressionen veröffentlichen die Autoren nicht ihre Namen. Die Huffington Post und derFreitag bieten sich als Informationsträger außerhalb des Mainstreams an und sind absolut lesenswert. Der Freitag brachte die Nachricht über die Nachricht über die steigende Obdachlosigkeit im vergangenen Winter vor vielen anderen Zeitungen. Zeit Online ist mein Lieblingsmedium, weil man dort das aktuelle Geschehen in einer neutralen Sprache und auch mal gegensätzliche Meinungen findet. Wenn ich im Ausland bin, dann informiere ich mich immer auf der Onlinepräsenz der Zeit. Außerdem sind Zeit-Autoren wirkliche Experten auf ihrem Feld. Dann ist da noch die Frankfurter Allgemeine, die Süddeutsche Zeitung und der Deutschlandfunk. In den letzten liest man erstaunlich oft ähnliche Meinungen. Und nicht zu vergessen: Natürlich die taz. Als ein Studierenden Projekt ist auch Denkerinnen empfehlens- und lesenswert. Auf dem Denkerinnen Blog finden sich kreative Texte und sachliche Artikel zu Themen aus Kultur, Gesellschaft und Politik.

Das sind die Onlinepräsenzen, die mir spontan einfallen und die ich am meisten benutze. Ihr könnt die Aufzählung gerne in den Kommentaren ergänzen. Sachtexte, Kolumnen und Artikel kann man anhand der obigen 10 Kriterien analysieren. Demnächst kommen solche Analysen von meinen Lieblingszeitungen hier auf dem Blog. Also, bleibt am Ball. Bis zum nächsten Posting!

Anmerkungen:

Aktualisierungen u.a. von Links wurden am 4. Mai 2017 vorgenommen.

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